Erst abnehmen, dann intuitiv essen – klappt das?

Hast du diesen Gedanken auch?! „Ja, ich möchte erst ein paar Kilo abnehmen. Und dann möchte ich wirklich auf meine Körpersignale hören uns intuitiv essen lernen!“

Ich verstehe das. Ich war selbst an diesem Punkt. Und trotzdem möchte ich heute ehrlich mit dir sein, warum ich da sehr skeptisch bin und was meine Erfahrung aus Jahren mit Kundinnen und auch meine eigene Geschichte gezeigt hat.

Erst abnehmen, dann intuitiv essen – warum das so nicht funktioniert

Abnehmen wollen ist okay und verständlich

Bevor wir loslegen: Ich verurteile niemanden, der abnehmen möchte. Egal ob mit Medikament oder ohne. Was ich verurteile, ist der ständige, permanente Fokus auf Gewicht, der aus der Diätkultur und Diätindustrie kommt.

Warum? Weil ich glaube (und viele wissenschaftliche Studien aus dem gewichtsneutralem Ansatz), dass wir viel ganzheitlicher auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden schauen dürfen, als nur auf das Gewicht.

Warum willst erst abnehmen und dann intuitiv essen lernen?

Warum willst du intuitiv essen, aber erst später, nachdem du abgenommen hast?

Wenn du jetzt hier liest, hast du ja schon die Idee vom intuitiven Essen. Irgendetwas verbindest du damit positiv und irgendein Teil in dir wünscht sich ja, intuitiv zu essen – und dafür hast du ja einen Grund 😉

Das Meiste, was ich in den Coaching-Kennlerngesprächen höre, ist: „Ich wünsch mir mehr Freiheit im Essen“ und „Ich will endlich Frieden mit meinem Körper haben.“

Vielleicht wünscht du dir das auch. Und hast gleichzeitig diesen Glaubenssatz, dass du dafür erst abnehmen musst, um das wirklich fühlen zu können (oder gesünder zu sein? Aber dazu gleich mehr.)

Ich verstehe das. Ich war da auch.

Abnehmen funktioniert. Nur nicht langfristig.

Du weißt, wie du abnehmen kannst. Wir wissen alle, wie Abnehmen funktioniert:
Am Ende läuft jedes Programm, jede Challenge, jedes Angebot eines Abnehmcoaches auf eine Sache hinaus: ein Kaloriendefizit.

Und ja, es funktioniert erst mal. Das Problem ist, dass es meistens nicht langfristig so bleibt oder eben super schwierig wird, das Gewicht zu halten... vielleicht hast du das schon selbst erlebt?!

Es gibt viele Studien zum Jojo-Effekt, die sogar nach Abnehmmedikamenten wie der Abnehmspritze oder Abnehmpille auftreten.

Und was leider auch häufig passiert und aus meiner Sicht total unterschätzt wird: starkes Diätverhalten kann in gestörtem Essverhalten enden.

Ich bin selbst ein Beispiel dafür. Und ich hab permanent Frauen vor mir sitzen, die genau das erleben. Das ist auch der Grund, warum ich vor ein paar Jahren noch die Heilpraktiker-Ausbildung gemacht habe, weil ich gemerkt hab, dass das bei so vielen schon essstörungsnahes Verhalten ist und dass dieses oft jahrzehntelange Diäterfahrungen zurückgeht. Natürlich sind da noch viele andere Faktoren, das ist ein komplexes Thema. Aber restriktives Essverhalten kann ein Punkt sein, der das mit verstärkt.

Was ich damit sagen will: Wenn du dich aufmachst, gezielt ein bestimmtes Gewicht erreichen zu wollen, entfernst du dich erst mal aktiv von deinen Körpersignalen. Nicht näher ran. Weg davon.

Intuitives Essen braucht Nähe zu deinem Körper, keine Distanz

Wenn wir intuitiver essen wollen, ist es wichtig, dass du auf deinen Körper zugehst und seine Signale immer mehr wahrnimmst. Das nennt sich auch Interozeption, also die Wahrnehmung deiner inneren Körpersignale. Und genau diese Fähigkeit geht verloren, wenn du anfängst mit Verboten, Verzicht, Kalorien tracken, Einschränkungen. Du verschlechterst damit deine Wahrnehmung für genau das, was du beim intuitiven Essen brauchst.

Jetzt sagst du vielleicht:
„Aber Pauline, ich will doch gar keine Kalorien zählen. Ich will nur auf Hunger und Sättigung achten und weniger Süßes essen.“

Ich verstehe die Idee davon, ich verstehe, warum das Sinn ergibt. Aber wenn du immer noch im Hinterkopf hast, du musst erst ein bestimmtes Ziel auf der Waage erreichen, dann hast du unbewusst immer noch diesen mentalen Druck, der so unterschwellig in dir schwelt. Und das ist – ich hatte das gerade erst letztens wieder mit einer Kundin – die häufigste Ursache dafür, dass du immer wieder in Heißhunger kommst und es nicht schaffst, wirklich intuitiv zu essen. Dein Körper merkt, dass du wieder in den Verzicht gehst. Der ist ja nicht doof 😉

Dein Körper kann dir nicht vertrauen, wenn du ihm nicht vertraust

Ich höre immer wieder: „Ich kann meinem Körper nicht vertrauen.“

Aber ich frage dann immer: Warum sollte dein Körper dir vertrauen können? Der hat vielleicht seit deiner Kindheit an die Erfahrung gemacht, dass Lebensmittel eingeschränkt werden, dass bestimmte Sachen böse sind, dass du nicht gut genug bist, wenn du sie isst.

Glaubenssätze wie „Nur wenn ich schlank bin, bin ich gut genug“ werden manchmal so früh verinnerlicht, dass wir sie gar nicht mehr als Glaubenssätze erkennen. Sie fühlen sich einfach wie Wahrheit an.

Dein Körper, dein Nervensystem, ist unsicher. Dein Körper checkt gar nicht, warum du wieder in den Verzicht gehst, auch wenn es nur mental passiert. 

Es gibt sogar Untersuchungen, die zeigen, dass wenn du mental schon daran denkst, wieder weniger zu essen, das allein schon Heißhunger und Essattacken auslösen kann.

Kennst du das? Dass alleine der Gedanke „ab morgen esse ich wieder weniger“ dazu führt, dass du heute noch schnell alles isst, was da ist? Wie ein letztes Abendmahl, was du nochmal ausnutzt?! Das hat nix mit fehlender Disziplin zu tun… Das ist dein Körper, der einfach überleben will, der sich Energie holt.

Du isst nicht sofort intuitiv – der häufige Trugschluss:

Ich erkläre das gerne mit einem Pendelbild. Auf der einen Seite wo du das Pendel los lässt, hast du dein bisheriges Essverhalten mit Regeln, Verboten, Verzicht, Druck. Auf der anderen Seite, wo das Pendel ankommt, das komplette Gegenteil: Wenn du jetzt aufhörst mit deinen Regeln, schnellt das Pendel erst mal auf die andere Seite rüber. Du hast das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Und vielleicht verlierst du sie auch erst mal… Du isst alles, was vorher verboten war, weißt nicht, was du willst, es fühlt sich chaotisch an. Ich nenn das die Nachholphase, viele nennen es auch Honeymoon-Phase. Das ist eine ganz normale Reaktion deines Körpers, weil der Reiz für alles Verbotene so unglaublich hoch war.

Das intuitive Essen ist nicht auf einer dieser beiden Seiten.

Es ist in der Mitte. Und dahin kommt das Pendel nur, wenn du ihm Zeit gibst. Wenn du Sicherheit gibst. Denn sobald dein System wirklich checkt, ah, es ist immer alles erlaubt, es gibt keine Verbote mehr, lässt der Reiz nach. Der Gewöhnungseffekt setzt ein. Das Pendel wird langsamer und verbleibt irgendwann in der Mitte: deinem Ziel intuitiv zu essen.

Das hab ich nicht nur bei Kundinnen gesehen, das kenn ich selbst von früher, dass ich so hin und her geschwankt hab. Und ich weiß, dass die Frage, die dich dabei am meisten quält, ist: Was, wenn das für immer so bleibt? Es bleibt nicht so. Aber es braucht Zeit und Geduld und ja ich weiß, dass das anstrengend und schwer ist… aber es lohnt sich!

Was passiert, wenn du erst abgenommen hast?

Ich frage dich jetzt mal: Wenn du abgenommen hättest, glaubst du, dass die Angst vor Zunahme dann wirklich weggeht? Ich glaub das nicht. Weil du dich dann ja permanent damit beschäftigst, dieses Gewicht zu halten. Die Angst verschiebt sich nur. Und diese Angst ist oft auch ein riesiger Treiber für das, was viele als Food Noise kennen. Dieses 24/7-Nachdenken über Essen, über Gewicht, über was ist jetzt richtig, was darf ich essen? Der ständige mentale Lärm hat sehr häufig die Ursache, dass du unter Druck stehst, dass du restriktiv isst und Angst hast, das Gewicht nicht zu halten.

Und da dürfen wir tiefer baggern. Was ist die wahre Angst dahinter wieder zuzunehmen? Weil oft geht ja nicht wirklich rein um das Gewicht an sich. Es geht um etwas anderes:

Ist es Angst vor Ablehnung?
Angst, nicht dazuzugehören?
Angst, nicht anerkannt zu werden?
Sind es vielleicht auch Ängste vor gesundheitlichen Folgen?

Ganz oft sind das Ängste, doof angeschaut zu werden, nicht zu passen, abgelehnt zu werden. Und das ist für viele das eigentliche Hindernis auf dem Weg zum Frieden mit dem Körper und dem Essen.

Genau dafür hab ich ein 0€ Audiotraining aufgenommen, mit einem kleinen Workbook dazu. Da graben wir gemeinsam tiefer. Du schaust dir an, was da bei dir wirklich los ist, wir wechseln die Perspektive und ich gebe dir auch einen Tipp für deinen Alltag, wie du damit umgehen kannst, wenn die Angst vor Zunahme aufkommt. 

Hier zum Audio Training

Was kannst du für deine Gesundheit tun, ohne abnehmen zu müssen?

 

Wenn du dir Sorgen um deine Gesundheit machst und deshalb glaubst, erst abnehmen zu müssen, dann möchte ich mit dir mal auf einen anderen Blickwinkel schauen.

Beim gewichtsneutralen Ansatz, Health at every size – Gesundheit bei jeder Körpergröße, geht es darum, nicht nur das Gewicht anzuschauen, sondern wirklich alles, was deine Gesundheit beeinflusst. Natürlich Ernährung und Bewegung, aber auch Stressmanagement, Schlafqualität und mentale Gesundheit.

Wie sprichst du mit dir selbst?
Wie gehst du mit dir um? Es gibt Studien, die zeigen, dass Gewichtsdiskriminierung enormen Stress für deinen Körper bedeutet und gesundheitsschädigend ist. Und was ebenfalls gesundheitsschädigend sein kann, auch das ist belegt: wenn du dich selbst schlecht machst. Wenn du dich quasi selbst diskriminierst aufgrund deines Gewichts.

Und es gibt Studien, die zeigen, dass wenn du dich auf gesunde Gewohnheiten konzentrierst, du unabhängig von deinem BMI deine Gesundheit verbessern kannst.

Das heißt konkret: Nährstoffreiche Lebensmittel hinzufügen, weil du merkst, das tut dir gut, nicht weil du was weglassen musst. Mehr Spaß an Bewegung finden, in welcher Form auch immer, Spaziergang, Tanzen, Mobility. Freundlicher mit dir sprechen. Das klingt vielleicht klein, aber es ist kein kleines Ding. Es ist ein ganz entscheidender Punkt.

Beim intuitiven Essen geht es darum, Gutes und Hilfreiches hinzuzufügen, nicht darum, Dinge wegzulassen. Und diese gesunden Gewohnheiten sind es am Ende, die deine Gesundheit langfristig fördern, nicht das Abnehmen an sich. Durch das Abnehmen etablierst du manchmal auch gesunde Gewohnheiten, aber das Abnehmen selbst ist oft nicht der Grund, warum es dir besser geht. Es sind die Gewohnheiten. 

Übung zum Mitmachen:

Nimm dir mal 10 Minuten. Stift und Zettel und beantworte dir diese Fragen:

  • Warum ist es dir so wichtig abzunehmen? Was erhoffst du dir davon?
  • Warum wünschst du dir gleichzeitig, intuitiv zu essen? Was erhoffst du dir davon?
  • Wovon willst du weg?
  • Wo willst du hin?
  • Was kannst du heute schon tun, um einen Schritt auf deinen Körper zuzugehen?
  • Was kannst du heute tun, um deine Gesundheit zu fördern, unabhängig von deinem Gewicht?
  • Welche Gewohnheit würde dich dabei unterstützen?

Dein Abnehmwunsch ist absolut verständlich. Ich kann das nachvollziehen. Aber wenn du schon die Idee vom intuitiven Essen in dir trägst und dir wünschst, deinem Körper mehr zu vertrauen, dann kommt das ja nicht einfach von irgendwo. Es hat einen Grund, warum du diesen Wunsch hast. Irgendeine Stimme in dir wünscht sich das so sehr. Und ich finde, die darf auch mal lauter werden. Die darf auch mal sagen, was sie sich wirklich wünscht. 

Und wenn du merkst, dass du auf deinem Weg Unterstützung brauchst, dann meld dich bei mir!

Deine Pauline 🙂

Tags :
Intuitiv Essen lernen |Podcast-Artikel

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