Kaum eine Person hat die letzten Monate so viele Diskussionen ausgelöst wie Ariana Grande. Ihr Körper, ihre Veränderung, ihre Gesundheit.
Ich habe mich gefragt: Muss ich dazu auch was sagen? Eigentlich wollte ich es nicht. Und dann merkte ich, dass genau das meine Antwort ist.
Wir müssen gar nicht über sie reden.
Ariana Grande ist zur Zielscheibe geworden für ein viel, viel komplexeres Problem einer Gesellschaft, die von Fettfeindlichkeit, Diätkultur und einem unrealistischen Schönheitsideal geprägt ist.
Und das ist es, worüber wir reden müssen.
Wir wollten doch eigentlich keine Körper mehr kommentieren
Das war mein erster Gedanke, als meine Kolleginnen Doris und Sarah das Thema in unsere Austauschgruppe gebracht haben. Wir wollten doch aufhören, Körper zu kommentieren. Egal welche. Und dann frage ich mich:
Gibt es irgendwann eine Grenze, ab der wir es doch dürfen?
Ich glaube nicht. Und das gilt in beide Richtungen. Weil natürlich jetzt alle rufen: „Wir machen uns doch Sorgen um ihre Gesundheit!“ Aber genau das gleiche Argument wird auch bei dicken Menschen benutzt.
Bodyshaming wird mit Sorge um die Gesundheit gerechtfertigt. Und der Druck, der dabei entsteht, ist häufig alles andere als gesund. Wir können von Weitem keine Diagnose stellen. Das sollten wir bei dicken Menschen nicht und bei dünnen Menschen eben auch nicht, so „offensichtlich es auch sein mag“, denn eigentlich… geht es uns auch gar nicht an?!
Ariana Grande hat selbst schon in älteren Statements gesagt: Hört auf, meinen Körper zu kommentieren. Sie hat erklärt, dass Antidepressiva und Alkohol früher zu ihrer Gewichtszunahme beigetragen haben. Sie hat mehrfach Grenzen gesetzt, aber die Leute hören nicht auf und damit steht sie als Person des öffentlichen Lebens unter einem enormen Druck, der ihrer Gesundheit mit Sicherheit nicht zuträglich ist.
Angst vor Zunahme: Der Druck hat System
Wenn wir jetzt mal davon ausgehen würden, dass jemand in gestörten Essensmustern steckt, egal ob es jetzt sie trifft oder jemand anderen, dann schauen wir auf das Individuum.
Und dabei vergessen wir komplett zu fragen: Was führt eigentlich dazu? Warum entstehen Essstörungen? Und warum sind sie gerade jetzt wieder so häufig, besonders bei Jugendlichen?
Ich kenne die Statistiken. Ich thematisiere das in meinen Vorträgen für Fachkräfte im Rahmen von Bewusst Diätfrei trifft Schule regelmäßig.
Die Zahlen sind eindeutig. Essstörungen nehmen zu.
Social Media, die Abnehmspritze, der Rechtsruck, das Patriarchat, das wieder eine größere Rolle einnimmt. Das sind Faktoren, die dazu führen, dass Body Positivity wieder in den Hintergrund rückt und damit SkinnyTok, Super-Schlank-Ideale wieder nach vorne kommen.
Ja, natürlich sind Essstörungen komplex und es braucht noch mehr, als „nur“ Druck von Außen – aber es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass diese Entwicklung einen großen Punkt ausmacht 🙁
Es ist kein Geheimnis, dass gewisse Industriezweige daran interessiert sind, dass ein bestimmtes Schönheitsideal existiert. Die Abnehmspritze, mit der Milliarden verdient werden, ist nur ein Teil davon. Es geht auch um die alte Idee, Frauen klein zu halten. Damit sie sich mit ihrem Aussehen beschäftigen sollen. Bloß nicht die Energie für andere Dinge aufsparen.
Ariana Grande: Zielscheibe für ein gesellschaftliches Problem
Das ist der springende Punkt für mich. Ariana Grande ist eine Person. Ein Individuum. Die gesamte Diskussion dreht sich um sie, ihren Körper, ihre Gesundheit. Aber was dabei fast komplett fehlt, ist der Blick auf das große Ganze. Auf das System, in dem sie und viele andere Künstler:innen und Schauspieler:innen einem unfassbaren Druck ausgesetzt sind.
Ihr neues Musikvideo zeigt das auf eine Art, die mich wirklich getroffen hat. Falls du es noch nicht gesehen hast, schau es dir mal an.
Es geht genau darum: Sie wird abgelehnt, ist nicht gut genug, verbiegt sich. Und trotzdem sagen die Leute, wir wollen die alte Ariana zurück, die authentische. Gefühlt ist es egal, was sie macht. Es reicht nicht.
Und das ist eine Frage, die wir uns stellen dürfen: Woher kommt das? Warum glauben so viele Menschen, sie müssen sich verstellen? Und warum führt das so weit?
Ich vermisse diese Debatte in der großen Medienberichterstattung. In meiner Bubble wird das immer mal thematisiert, und in deiner wahrscheinlich auch, sonst würdest du hier nicht zuhören. Aber im Mainstream? Fehlt dieser Blick komplett. Es geht immer nur um das Individuum, nicht um das System dahinter.
Was das mit dir zu tun hat
Vielleicht denkst du jetzt: Was hat das mit mir zu tun? Ich bin nicht Ariana Grande. Ich stehe nicht in der Öffentlichkeit. Aber der Druck, dem sie ausgesetzt ist, ist ein extremes Spiegelbild von dem, was viele von uns im Kleinen auch kennen.
Der Blick auf den Mittagessen von Kollegin Hannelore. Die Kommentare beim Familientreffen. Das Schönheitsideal, das überall auf uns einprasselt und das Gefühl auslöst: Ich bin nicht gut genug so wie ich bin.
Und genau da lohnt es sich, tiefer zu graben. Nicht über ihren Körper nachzudenken. Sondern über die eigene Geschichte. Was hat dich geprägt? Welche Botschaften hast du über deinen Körper mitbekommen, seit du ein Kind warst? Was glaubst du über dich, wenn du dich im Spiegel siehst?
Das sind die Fragen, die wirklich etwas verändern. Nicht die Diskussion darüber, was mit dem Körper einer anderen Person nicht stimmt.
Ich mache mir auch manchmal Gedanken. Bringt das, was ich tue, überhaupt etwas? Das Interesse am intuitiven Essen ist in den letzten Monaten zurückgegangen, während das Thema wichtiger ist als je zuvor. Das ist ein Zwiespalt, der mich manchmal beschäftigt. Und dann sehe ich, was gerade mit Ariana Grande passiert, was gerade gesellschaftlich passiert. Und dann weiß ich wieder: Doch. Bewusst Diätfrei ist wichtiger als je zuvor. Genau jetzt.
Angst vor Zunahme lernen loszulassen: Der erste Schritt
Wenn dich dieses Thema berührt, wenn du merkst, dass du selbst unter dem Druck des Schönheitsideals leidest, Angst vor Zunahme hast oder das Gefühl kennst, nicht gut genug zu sein mit deinem Körper, dann ist genau das der Punkt, wo wir anfangen können, tiefer zu baggern.
Zu schauen, was wirklich dahintersteckt. Nicht in die Diät starten, die eh nix bringt…
Sondern Selbstakzeptanz, die nicht davon abhängt, ob dein Körper einem Ideal entspricht.
Hol dir das 0€ Audio Training zur Angst vor Zunahme, wenn du dich hier wieder findest:
Wir müssen nicht über Arianas Körper reden. Wir müssen über das System reden. Und wir müssen anfangen, uns selbst die richtigen Fragen zu stellen.
Was, wenn du anfängst, dich nicht mehr an einem Ideal zu messen, das niemals für dich gemacht wurde?
Schreib mir gern, was du darüber denkst.
Deine Pauline 🙂