Du hast dir vorgenommen, endlich auf deine Körpersignale zu hören. Zu essen, worauf du wirklich Lust hast und das auch endlich ohne Verbote. Aber trotzdem merkst du, dass da immer wieder etwas dazwischen kommt… Nicht die typischen Diätregeln von früher, sondern etwas unscheinbares, anderes, was dich irgendwie im intuitiven Essen hemmt. Faktoren, die du vielleicht bisher noch gar nicht auf dem Schirm hattest: Ich stell sie dir heute vor!
Faktor 1: Angst vor Bewertung
Im Coaching frage ich meine Kundinnen immer, ob sie WIRKLICH (!) essen, was sie wollen, was sie zufrieden macht. Und dabei meinte eine Kundin letztens, dass sie in der Mittagspause auf der Arbeit gerne eine warme Mahlzeit essen würde, weil sie weiß: das hält sie satt, das macht sie zufrieden, das tut ihr einfach gut. Aber sie macht es total selten, weil ihre Kolleginnen immer Salate, Smoothies oder andere „gesunde“ Sachen dabei haben und sie das Gefühl hat, doof angeschaut zu werden, wenn sie etwas „ganz Normales“ isst.
Also hat sie sich ganz „vorbildlich“ Smoothies und Salaten mitgenommen, um bloß nicht bewertet zu werden und damit natürlich auch die Konfrontation mit einem negativen Gefühl zu vermeiden. Das Spannende: Der Grund warum sie ins Coaching kam, waren ständiges Snacken und Essanfälle am Abend – der Klassiker. Ganz häufig ist der Grund dafür, dass tagsüber nicht genug gegessen wird. Oder eben nicht das, was wirklich dich satt und zufrieden macht.
Ich habe ihr empfohlen, es mal auszuprobieren. Eine warme Mahlzeit mitnehmen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Gucken die anderen wirklich so? Und wenn ja, warum triggert dich das so? Welche alten Glaubenssätze werden da aktiv, woher kommen die, wie lange gibt es die schon?
Da können wir dann tiefer graben. Aber erst mal: ausprobieren.
Stell dir noch mal diese Fragen:
Vergleichst du dich beim Essen mit anderen? Hast du Angst, was andere Leute denken, wenn du dir nimmst, was du wirklich möchtest? Und schränkt dich das ein, ohne dass du es bisher so wirklich bewusst wahrgenommen hast?
Faktor 2: Du bist kein Mülleimer
Das Thema mit dem Nicht-Wegwerfen-Wollen. Ich weiß, das klingt erstmal total harmlos. Ist ja sogar ein guter Gedanke. Keine Lebensmittelverschwendung, regional einkaufen, Bio-Gemüsekiste bestellen. Alles schön und gut. Und trotzdem ist das einer der Faktoren, den ich zuletzt immer wieder in Coachings erlebt habe, der vielen gar nicht bewusst ist.
Eine Kundin hatte genau das. Die Gemüsekiste kam jede Woche, und sie hatte sofort das Gefühl: ich muss das alles verplanen, verkochen, aufbrauchen. Bevor es schlecht wird. Bevor ich was wegschmeißen muss. Und dabei merkte sie, dass sie eigentlich manchmal ganz woanders Lust drauf hatte und sie sich sogar von der Gemüsekiste unter Druck gesetzt fühlte…
Mal ehrlich: ist das wirklich Sinn der Sache? Also wie gesagt, ich verstehe den Gedanken dahinter, aber wenn dir das jede Woche Druck macht, frage ich mich wirklich, ob es so gut ist für dich?
Das Problem ist, dass es dabei oft unbewusst um viel mehr gehen kann:
Stell dir vor, du haust dir eine Gemüsepfanne rein, obwohl du eigentlich Bock auf was Herzhaftes, Fettiges hattest. Was passiert dann? Du bist vielleicht satt. Aber nicht zufrieden. Und dann fängt es an. Das Snacken. Die Chipstüte. Der Abend, der aus dem Ruder läuft. Weil der Körper noch immer sucht, was er ursprünglich wollte.
Das muss nicht passieren, aber ich hab das echt schon sooo oft erlebt, dass der Zufriedenheitsfaktor beim intuitiven Essen unterschätzt wird. Denn wenn du jahrelang, vielleicht jahrzehntelang Erfahrung mit Verzicht und Restriktion hast, dann ist es umso wichtiger, dass du dir jetzt wirklich erlaubst, auf deine Körpersignale zu hören. Und sie auch zu honorieren.
Die Gemüsekiste ist ein Beispiel, aber das Thema mit dem „Bloß nichts wegwerfen“ erlebe ich auch im normalen Alltag immer wieder.
Dann sage ich gern: „Du bist kein Mülleimer.“ Spüre genau nach, ob es dir gut tun würde den übrigen Rest noch zu essen und zur Not gibt es immer noch die Möglichkeiten von Food Sharing, Verschenken, Tieren geben oder einfrieren.
Faktor 3: Das schlechte Gewissen bei tierischen Produkten – veganer Druck
Das ist der Faktor, über den ich am wenigsten gerne rede. Weil er mich selbst betrifft. Ich habe mich mehrere Jahre sehr streng vegan ernährt, doch im Zuge des intuitiven Essens bin ich davon wieder weg. Ich esse heute noch viele vegane und vegetarische Sachen, aber auch tierische Produkte. Und ich weiß, das haben damals viele nicht verstanden. Das ist mir auch selbst nicht leicht gefallen.
Aber ich habe immer wieder Kundinnen, denen es genauso geht. Sie haben eigentlich Lust auf etwas, verzichten aber darauf, weil es tierische Produkte sind. Weil sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Und ich verstehe das. Das ist kein kleines Thema. Das Gewissen ist berechtigt und der gute Gedanke dahinter ja auch wirklich lobenswert!
Und trotzdem frage ich: Was ist der Output davon? Wenn du dich nicht zufrieden bist nach dem Essen, weil du etwas nicht essen darfst, das du eigentlich möchtest… Ist das dann wirklich intuitiv? Und könnte das vielleicht (nur vielleicht 😉 ) ein Grund dafür sein, dass du später Heißhunger bekommst auf irgendetwas? Weil ich mir ziemlich sicher bin, wenn ich mir jetzt wieder strenge Verbote auferlegen würde, würde ich essgestörtes Verhalten triggern. Das weiß ich über mich. Vielleicht könnte das bei dir auch so sein?
Was ich stattdessen tue: Ich schaue, wo ich sonst noch Gutes tun kann. Ich spende an den Tierschutz oder sammle beim Spaziergang mit meinem Hund Müll ein, wenn ich welchen sehe. Das sind die kleinen feinen Sachen, die für mich den Ausgleich schaffen, ohne dass ich mich beim Essen wieder in Verbote und Restriktion reinmanövriere und eben trotzdem etwas Gutes für unsere Umwelt getan habe. Vielleicht ist das auch für dich ein Weg?
Was du wirklich mitnehmen kannst
Intuitives Essen lernen bedeutet nicht nur, Hunger und Sättigung wahrzunehmen. Es bedeutet auch, die Faktoren zu erkennen, die dich von Außen beeinflussen – oft eben unbewusst, unscheinbar.
Der Blick der Kollegin. Die Gemüsekiste. Das schlechte Gewissen. Das sind Gründe, die dich davon abhalten, wirklich das zu essen, was dir guttut und vielleicht sogar später Heißhunger auslösen.
Und wenn du merkst, dass da noch mehr dahintersteckt, dass die Angst vor dem Blick der anderen tiefer geht, dass das Nicht-wegwerfen-Können sich anfühlt wie ein Zwang, dass das schlechte Gewissen dich richtig unter Druck setzt… dann ist es Zeit, tiefer zu graben. Zu schauen, was da wirklich los ist. Woher das kommt. Und wie du dich davon ein Stück weit lösen kannst.
Wenn du dabei Begleitung möchtest, kannst du bei mir ins Coaching kommen. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Beraterin für intuitives Essen begleite ich dich raus aus dem Diätkreislauf, hin zu mehr Freiheit, mehr Körpergefühl und mehr Selbstannahme.
Deine Pauline 🙂