Prinzip 10 beim intuitiven Essen: Gesund essen und entscheiden – ohne Druck

Machst du dir Sorgen, dass du seit dem intuitiven Essen zu wenig für deine Gesundheit tust?
Dass du dich zu wenig bewegst, zu wenig nährstoffreiche Lebensmittel isst, zu wenig Sport machst? Diese Sorge kenne ich. Und ich höre sie immer wieder, von so vielen Menschen, die anfangen, intuitiv zu essen. Wenn du das kennst, dann ist dieser Artikel genau für dich.

Bei Bewusst Diätfrei arbeiten wir gewichtsneutral.
Das bedeutet: Das Gewicht steht nicht im Fokus. Wir schauen ganzheitlich auf gesunde Gewohnheiten und darauf, wie du Frieden schließen kannst mit dem Essen, mit deinem Körper und mit dir selbst. Ohne Druck, ohne Kaloriengedanken, ohne dass Essen dein ganzes Leben bestimmt, aber so, dass wir trotzdem deine mentale und körperliche Gesundheit fördern können. 🙂 Ja, das ist so möglich!

Was ist Prinzip 10 beim intuitiven Essen überhaupt?

Die zehn Prinzipien des intuitiven Essens sind zur Orientierung da. Keine starren Regeln, keine Checkliste, die du abhaken musst. Und Prinzip 10 ist das letzte Prinzip aus gutem Grund. Es geht darum, wie du deine Gesundheit fördern kannst. Bewusste, nährstoffreiche und abwechslungsreiche Ernährung. Bewegung, die sich gut anfühlt. Entscheidungen, die deinem Körper und deiner Seele guttun.

Evelyn Tribole schreibt dazu etwas, das ich soooo wichtig finde, dass ich es dir hier direkt mitgeben möchte.
Sinngemäß übersetzt sagt sie: Du solltest dich dafür nicht schämen, verurteilen oder unter Druck setzen, wenn du noch nicht an Prinzip 10 arbeiten möchtest. Denn – es kann sein, dass du noch nicht soweit bist und erst wirklich Frieden schließen darfst mit deinem Körper, Lebensmitteln und dir selbst mehr vertrauen! Mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit. Sieh es als Selbstfürsorge, wenn du sagst: Ich bin da noch nicht bereit. Du bist die Expertin für dich selbst und weißt, wann du soweit bist, dich nach vielen Diätjahren, Druck und Zwang wieder ganz bewusst mit Nährstoffen und Auswahl bestimmter Lebensmittel zu beschäftigen. Das ist so, so wichtig. Und genau das erlebe ich immer wieder, dass viele das vergessen oder nie gehört haben und sich dann doch wieder extrem unter Druck setzen „perfekt intuitiv essen zu müssen“.

Abnehmen ist keine Gewohnheit und Gesundheit ist mehr als Gewicht

Ich höre es ständig: „Ich muss abnehmen, um gesünder zu werden.“ Aber Abnehmen ist keine Gewohnheit. Es ist ein Ergebnis, das du nicht direkt steuern kannst. Was du steuern kannst, sind Gewohnheiten. Und da gibt es eine Studie aus 2012, die ich total aufschlussreich finde. Untersucht wurden vier Gewohnheiten: viel Obst und Gemüse essen, regelmäßige Bewegung, wenig bis kein Alkohol und nicht rauchen. Also der Klassiker was eigentlich schon jedes Kind kennt, was gesund ist 😉

Das Ergebnis? In allen BMI-Kategorien sank die Sterblichkeit dramatisch, wenn die Teilnehmenden auch nur eine dieser Gewohnheiten umsetzten. Und wenn alle vier umgesetzt wurden, gab es keine Unterschiede mehr zwischen den BMI-Gruppen, was die Verbesserung der Gesundheit anging.

Das heißt konkret: Du kannst deine Gesundheit fördern, unabhängig davon, ob du dabei Gewicht verlierst oder nicht.
Das ist keine Meinung. Das sind Daten. (Kennst du Mark Benecke? Der sagt das auch immer, aber da gehts um Klimawandel :D)

Ich arbeite nach dem Ansatz von Health at Every Size, kurz HAES, und dieser Ansatz schaut eben genau das an: Gesundheit ist komplex. Ernährung und Bewegung spielen eine Rolle, ja. Aber auch Schlafqualität, Stressmanagement, psychische Gesundheit, Alkohol, Rauchen… und viele Faktoren, auf die du schlicht keinen Einfluss hast. Wo du aufgewachsen bist. Wie die Gesundheitsversorgung in deinem Leben aussieht. Es ist viel zu kurz gedacht, immer nur auf dem Gewicht rumzuhacken.

Neu beim intuitiven Essen? Prinzip 10 kommt am Ende.

Wenn du gerade anfängst, intuitiv zu essen, stehen ganz andere Themen an. Zuerst geht es darum, die Diätmentalität loszulassen. Dann darum, deinen Hunger zu honorieren, Frieden mit dem Essen zu schließen, dir alle Lebensmittel wirklich zu erlauben. Das sind die Prinzipien eins bis neun. Und die brauchen Zeit. Die brauchen Aufmerksamkeit. Und die sind die Voraussetzung dafür, dass Prinzip 10 überhaupt ohne Druck funktionieren kann.

Wenn du jahrelang Kalorien gezählt hast, Punkte gezählt hast, Diäten gemacht hast, dann ist da ganz, ganz viel Verbotsgefühl und Bewertung angesammelt. Und wenn du jetzt anfängst, dir alles zu erlauben, dann kommt oft erst mal die sogenannte „Nachholphase“ – also so nenne ich das… vielleicht kennst du es auch unter dem Begriff „HoneyMoonPhase“.
Du hast Bock auf Fastfood, auf Süßigkeiten, auf alles, was vorher verboten war. Das ist normal. Das gehört dazu. Und in dieser Phase bist du eben noch nicht am Punkt von Prinzip 10. Das ist da noch gar nicht dran. Das Gleiche gilt übrigens für die Sättigung: Wenn du dir noch nicht alles wirklich erlaubst, wenn du deinen Hunger noch nicht verlässlich honorierst, wird es super schwer sein, bei angenehmer Sättigung aufzuhören. Das hängt alles zusammen.

Der schmale Grat: Wenn gesunde Tipps wieder Druck auslösen

Ich hatte vor einer Weile die Expertin für Wechseljahre und intuitives Essen, Katharina Kühtreiber, im Podcast. Sie hat erklärt, warum Krafttraining in den Wechseljahren besonders wertvoll für den Körper ist. Fachlich total richtig und wichtig. Und am nächsten Tag schaue ich in die bewusst-diätfreie Mitgliedschaft, in unser geschütztes Forum, und eine Frau schreibt: Die Episode hat sie unter Druck gesetzt. Sie schafft das nicht. Krafttraining ist nicht ihr Ding. Und sie fühlt sich jetzt schlecht deswegen. Andere haben sich direkt angeschlossen und gesagt, genau das kennen sie auch.

Leider geht es echt vielen so… Dieser Gedanke: Jetzt muss ich das perfekt machen. Ich muss perfekt essen, perfekt für meine Gesundheit sorgen, perfekt entscheiden. Und schwupp, sind wir wieder mitten im Diätkreislauf. Wieder im schlechten Gewissen. Wieder im Druck. Das ist ein sooo schmaler Grat. Und es passiert schnell, wirklich schnell.

Gleichzeitig habe ich von Jana, einer ehemaligen Kundin, eine ganz andere Rückmeldung bekommen. Jana war 2021 im 1:1 Coaching bei mir und war auch schon zu Gast im Podcast, in Episode 065. Sie hat mir eine Sprachnachricht geschickt und gesagt: Für sie hat das Krafttraining jetzt total Sinn. Aber nicht weil sie muss. Sondern weil sie ihrem Körper etwas Gutes tun möchte. Weil ihr Körper ihr das wert ist. Und sie hat auch gesagt: Sie konnte jahrelang kein Krafttraining machen, weil es sie so getriggert hat. Sie war einfach noch nicht an dem Punkt. Und das ist der Unterschied. Nicht ob du Krafttraining machst oder nicht. Sondern ob du es aus Fürsorge tust oder aus Druck. Und wenn du es nicht tust – gibt es noch hunderte andere Möglichkeiten deine Gesundheit zu fördern, ganz unabhängig vom Gewichte pumpen 😉

Selbstannahme als Voraussetzung für echte Selbstfürsorge

Was Jana beschreibt, ist genau das, worum es bei Körperakzeptanz lernen geht. Nicht, dass du deinen Körper jeden Tag liebst oder toll findest. Aber dass du anfängst, dir selbst gegenüber fürsorglich zu sein. Dass du deinen Körper nicht mehr als Feind behandelst, der bezwungen werden muss, sondern als jemanden, den du begleiten möchtest. Das ist ein Prozess. Manchmal ein langer. Und der läuft nicht geradlinig.

Jana hat auch gesagt: Wenn Cardio gerade das ist, was sich gut anfühlt, dann ist das gut. Beim Laufen, Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen werden auch Muskeln aufgebaut. Es ist immer noch besser als sich gar nicht zu bewegen, wenn der Körper Bewegung braucht. Und ich finde das so, so gut gesagt, weil es genau das zeigt: Es geht nicht um perfekte Entscheidungen. Es geht darum, wo du gerade stehst. Was dir gerade möglich ist. Was sich für dich richtig anfühlt.

Wie du Prinzip 10 ohne Druck angehen kannst

Wenn du irgendwann das Gefühl hast, bereit zu sein, dann fang klein an. Nicht mit einem perfekten Plan. Nicht mit einer Transformation. Frag dich: Was würde sich gut anfühlen? Nicht: Was sollte ich tun? Vielleicht ist es ein Spaziergang am Abend, weil du merkst, dass er dir hilft, runterzukommen. Vielleicht ist es eine Portion mehr Gemüse beim Mittagessen, weil du bemerkst, dass du dich danach besser fühlst. Vielleicht sind es Rückenübungen, weil dein Rücken seit Monaten wehtut. Das alles ist Prinzip 10. Das ist bewusste Gesundheitsförderung, die aus dir kommt.

Und wenn du gerade noch in der Nachholphase bist, wenn du noch kämpfst damit, dir alles zu erlauben, wenn Sättigung noch schwierig ist… dann ist Prinzip 10 noch nicht dran. Und das ist okay. Du hast deshalb nicht versagt, sondern bist einfach immer noch dabei Frieden zu schließen und deinem Körper Schritt für Schritt mehr zu vertrauen – in deinem Tempo. (sag das bitte dem inneren Kritiker 😉

Wenn du dabei Begleitung möchtest, dann ist vielleicht das Coaching passend für dich. Wir schauen gemeinsam, ohne Druck, Schritt für Schritt, was sich für dich und deinen Alltag wirklich stimmig anfühlt und welche Schritte es bei dir noch braucht.

Das Wichtigste, was ich dir mitgeben möchte: Mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit. Und manchmal ist der mutigste Schritt, den du für deine Gesundheit tun kannst, den Druck loszulassen. Einfach erstmal loszulassen. Und zu vertrauen, dass dein Körper schlauer ist, als du denkst und genau das gleiche Ziel hat wie du: Gesund sein.

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